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Hätte ich nur den Titel und die Kurzbeschreibung auf dem Buchrücken gelesen, hätte ich 'Unter des Käfers Keller' wahrscheinlich eher nicht gelesen. Aber das Buch wurde mir wärmstens empfohlen und ich kannte Mary Willis Walker auch schon von einem anderen Krimi, der mich sehr gut unterhalten hatte. Also legte ich mir das Buch denn doch zu und habe es nicht bereut.

Die Autorin Mary Willis Walker schreibt zwar wirklich hervorragende Krimis - immerhin habe ich jetzt genau 50 % aller ihrer Bücher verschlungen, lol - aber noch nicht so lange, daher gibt es bisher genau 4 Titel von ihr, die es in deutscher Sprache zu kaufen gibt.

1996 - Raubtierfütterung
1996 - Der rote Schrei
2000 - Unter des Käfers Keller
2000 - Lass die Toten ruhn

Aha, denkt der aufmerksame Leser. Schreibt sie also 2 Krimis im Jahr und das im 4-Jahres-Rythmus. Da ich davon jeden 2. lese, kann ich mich also jetzt auf Anfang 2004 freuen.
Ja, da staunt der werte Leser. Logik ist schon was feines, und ich beherrsche sie .. .. jupp .. .. ich mag Krimis und ich kann Logik .. .. jawoll .. .. Logik ist der Schlüssel zu jedem Krimi .. .. .. .. .. ..

.. .. .. .. weeeiittt gefehlt, aber dazu später.

Erstmal die Handlung
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Der selbsternannte Prophet Samuel Mordecai entführt einen Schulbus mit 11 Kindern und dem Busfahrer Walter Demming. Er verschanzt sich mit seinen Sektenmitgliedern auf dem Land und hält seine Geiseln in einem Bus gefangen, der im Erdreich einer Scheune vergraben ist. Jeden Tag erscheint er vor ihnen und predigt den 'Lämmern' - wie er sie nennt - die Apokalypse und ihre wichtige Rolle dabei.
Währenddessen versucht das FBI ergebnislos, Mordecai zu Verhandlungen zu überreden und ist mit seinem Latein am Ende. Nur die Journalistin Molly Cates ist einer Spur auf der Fährte. Allerdings kennt sie Mordecai von früher, als sie ein Interview mit ihm führte und will weder mit ihm, noch mit der Entführung etwas zu tun haben. Als sie allerdings merkt, dass es hier nicht nur um eine Geiselnahme geht, nimmt sie Verbindung mit dem FBI auf.

Falsche Schublade, erfreuliche Erkenntnisse
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Die Geschichte beginnt mit der Vorstellung von Walter Demming, der sich mit den Kindern bereits in dem eingegrabenen Bus befindet. Das 1. Kapitel befasst sich mit der Situation unter der Erde. Es wird schnell klar, dass Walter mit Kindern nicht wirklich was zu tun haben will. Er hat nichts gegen Kinder, aber er kann mit ihnen nichts anfangen. Und ausgerechnet dieser Mann sitzt hier in diesem engen, einzelnen Raum seit sechsundvierzig Tagen mit elf Kindern gefangen und versucht die Fassung zu behalten, denn die Kinder zählen auf ihn.
Als ich soweit gelesen hatte, machte ich in Gedanken eine Schublade auf, auf der in grossen Lettern 'Psychosülze' steht und pfefferte das Buch hinein. Nicht, dass der Eindruck entsteht, dass ich Bücher mit psychologischem Hintergrund nicht mag, aber mir war grade mehr nach Entspannung und nicht so sehr nach denken beim Lesen. Ich hatte die Befürchtung, dass das Buch immer tiefer in die Ängste der Kinder eintauchen und sich im Gewirr von Gefühlen und Gedanken verfangen würde.

Aber weit daneben gepfeffert, denn schon im nächsten Kapitel wird uns die Journalistin Molly Cates vorgestellt, gefolgt von ihrem Exmann Grady, der als Polizist die Belagerung des Sektengeländes unterstütz. Wir lernen Freunde des Busfahrers Walter Demming kennen, den Sektenführer Samuel Mordecai und viele mehr.

Die Zusammenfassung auf dem Buchrücken assoziiert eine vollkommen falsche Gewichtung der Geschehnisse. Das wird leider so manchen Leser enttäuschen, doch mich hat es hoch erfreut ;-)).
Beruhigt, dass sich die Geschichte nicht ausschliesslich um die Psyche der Kinder dreht, habe ich also weiter gelesen und fand in diesem Krimi Entspannung pur.

Der etwas andere Krimi
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Die meisten Krimis, die ich gelesen habe, motivieren den Leser früher oder später dazu, den Täter und die Umstände zu erraten. Die Autoren arbeiten darauf hin, dem Leser nach und nach Hinweise zukommen zu lassen, um das Verbrechen mit einer logischen Tat- und Beweisfolge zu untermalen. Nicht ganz reizlos und alt bewährt.
Aber dieser Krimi ist anders. Von Anfang an steht fest, wer die Bösen und wer die Guten sind und dem Leser bleibt auch nicht verheimlicht, wo sich die Kinder befinden und auch der Grund für ihre Entführung wird ziemlich schnell klar. 'Unter des Käfers Keller' ist deswegen ganz genau genommen auch gar kein Krimi. Das Buch beschreibt die Ereignisse, die auf die Entführung folgen und stellt die Personen vor, die an der Lösung der Situation beteiligt sind, die immer kritischer wird.
Die Frage ist nicht : wer ist hier der Mörder, sondern : schaffen es die Beteiligten, die Kinder zu retten.

Die Geschichte ist gut recherchiert, die Story lückenlos und ohne Ungereimtheiten, die hinter schönen Worten versteckt werden. Eigentlich bleibt kaum eine Frage offen und Mary Willis Walker erschlägt den Leser nicht mit Logik, sondern erzählt ihm eine spannende Geschichte.

Der Titel
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Der Titel des Buches 'Unter des Käfers Keller' ist ein Teil eines Gedichtes. Ohne zu viel zu verraten, möchte ich aus den Gedanken von Molly Cates zitieren:
"Als Kind hatte sie wiederkehrende Alpträume von geliebten Menschen gehabt, die in der schwarzen, kalten Erde begraben wurden. Es erschien ihr wie die schlimmste Verbannung, die Vertreibung in die dunkle Sphäre, unter dem Licht, unter dem Gras, unter der Erde. 'Unter des Käfers Keller' .. .. "
Der Titel erscheint erstmal ziemlich verwirrend. Aber im Laufe des Buches wird er sinnvoll und erklärt sich von selber.

Meine Meinung
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Ich kann das Buch wirklich mit ruhigem Gewissen empfehlen, es wird nie langweilig. Ich habe es in kürzester Zeit verschlugen, denn die Geschichte fesselt und das Ende ist bis kurz vor Schluss ungewiss.
Die Verteilung meiner Sympathien war nicht sehr schwierig. Die Einteilung in Gut und Böse ist ziemlich eindeutig. Es werden zwar auch bei den guten kleine negative Schwächen und Begebenheiten eingebaut, aber diese werden als menschlich und verzeihbar abgetan. So wird zum Beispiel ein Alkoholproblem von  Molly Cates erwähnt, aber als vergangen und verzeihbar eingestuft. Die Figuren bleiben menschlich und real.
Mit am besten haben mir die Szenen mit dem Hund gefallen. Sie lockern die Atmosphäre ein bisschen auf und geben den Personen Molly und Grady ein bisschen zusätzliche Tiefe.

Im Grossen und Ganzen eben ein gelungenes Stück gedruckte Worte und durchaus lesenswert.

So, und jetzt schlagt das Buch zu, es ist schon spät und der letzte macht das Licht aus.