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Penelope von der Polyantha  (Wallace, Edgar)

Es war einmal eine Zeit, in der ein Krimi noch ein Kriminalfall war, Bücher nicht wenigstens 400 Seiten haben mußten, um beachtet zu werden und Geschichten noch keine Charakterstudien waren. Das war die Zeit, in der nicht jede Handlung nach tiefschürfenden Interpretationen verlangte und der Leser sich noch nicht durch ein psychologisches oder kriminalistische Profil lesen mußte, bevor er Täter und Opfer kennenlernen durfte.
In dieser Zeit geschah es, dass ein Kind geboren wurde, welches Mangels Vater von einem Fischhändler adoptiert wurde und in recht ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Zum Manne herangewachsen veröffentlichte dieses Kind 1905 seinen ersten Roman, welchem im Laufe der Jahre mehr als 170 weitere folgten

Über einen davon möchte ich Euch berichten, über „Penelope von der ‚Polyantha‘ “

Penelope Pitt verläßt Edmonton mit dem Kanadischen Express, um sich auf die Reise nach Europa zu begeben. Dies scheint allerdings vorerst ein großes Abenteuer zu werden, da sie noch nicht weiß, wie sie diese Reise finanzieren soll. Doch bereits im Zug trifft sie auf eine junge Frau, die sie sogleich als Sekretärin nach England verpflichtet. Penelope willigt ein und erreicht England auf diese Art schneller als sie zu hoffen gewagt hatte.
Ihre neue Arbeitsstelle scheint ihr zunächst willkommen einsam und ruhig, befindet sich das Anwesen ihres Arbeitgebers auf einer abgelegenen Klippe, weitab jeglichen Kontaktes zur Aussenwelt. Doch schon bald passieren seltsame Dinge, wird sie doch auf dem Anwesen wie eine Gefangene gehalten. Sie darf weder alleine ins Dorf gehen, noch wird sie jemals mit eintreffendem Besuch alleine gelassen.
Auch als sie in der Nähe des Anwesens einen Fremden trifft, der ihr seltsame Fragen über ihre Herrschaft stellt, schöpft sie, die treue, arglose Seele, keinen Verdacht.
Eines Tages jedoch sieht Penelope durch einen Zufall etwas, was sie nicht hätte sehen dürfen. Dieses Wissen hat für sie ungeahnte Folgen und langsam kommen ihr doch Zweifel, ob sie den richtigen Menschen die Treue hält.

Dies war nur eine der vielen Geschichten, die der Mann sich ausdachte und niederschrieb. Er, der sich Edgar Wallace nannte, verstand sich darauf, Geschichten zu schreiben, die seine Leser fesselten und nicht mehr los ließen, bis diese Geschichten meist ein gutes Ende fanden. Immer siegte das Gute über das Böse und oft kam auch die Liebe nicht zu kurz.
Genau so war es auch in dieser Geschichte, die er vielleicht für seine Tochter schrieb, denn diese trug den Namen Penelope und war seine jüngste Tochter aus seiner zweiten Ehe mit seiner Sekretärin.

Die Geschichte der Penelope liest sich sehr spannend, denn der Leser ist Penelope selber immer einen kurzen Schritt voraus. Wallace spart nicht mit Anspielungen und Andeutungen, mit denen wir immer erst ein paar Seiten später etwas anfangen können.
Mehrere Personen tauchen im Laufe der Geschichte auf, die eine Rolle zu spielen scheinen, die wir aber bis kurz vor Ende nicht wirklich einordnen können. So geht es auch der ahnungslosen Penelope, denn sie trifft diese Personen und spricht mit ihnen, ohne zu ahnen, dass sie eine Rolle spielen. Auf diese Art wird eine knisternde Spannung erzeugt, die uns immer wieder raten läßt, wer die Guten und wer die Bösen sind und wer mit wem in welcher Verbindung steht.

Wäre der Schreiber dieses Werkes nicht Edgar Wallace, könnte man das Buch mit einem Groschenroman vergleichen, der am warmen Kaminfeuer die Langeweile vertreibt, während draussen ein Sturm tobt. Doch der Schreiber dieses Werkes ist Edgar Wallace und so können wir ein Quentchen mehr erwarten und dieses Quentchen bekommen wir auch. Ein Quentchen mehr Spannung, ein Quentchen mehr Wortgewandheit. Ein Quentchen von allem, was Edgar Wallace Romane zu dem machte, was sie sind.

Und was wurde aus dem Mann, der sich Wallace nannte ?
Er wurde zum Meister der Kriminalgeschichte und jedes Kind kennt seinen Namen. Allein in Deutschland wurden über 40 seiner Bücher verfilmt und jedes Kind kennt ebenfalls die Stimme, die am Anfang der Filme erschallt und behauptet "Hier spricht Edgar Wallace .. ..".
Doch da dies kein wirkliches Märchen ist, ist dieser Mann seit über 70 Jahren tot. Der Reiz seiner Werke hat sich allerdings nicht verloren und so wurden 82 seiner Krimis zu seinem 125. Geburtstag neu aufgelegt.

„Penelope von der ‚Polyantha‘ “ hat gerade mal 146 Seiten, kostet in der Geburtstagsausgabe 5,-DM. und läßt sich in einem Rutsch durchlesen. Es ist sicher keine anspruchsvolle Literatur, aber dafür ehrliche, knisternde Lektüre. Ein Zeitvertreib, der kurzweiliger kaum sein könnte.

Tja, und obwohl er schon gestorben ist, lesen wir ihn noch heute .. ..