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Wolfgang Hohlbein, Der Widersacher

Die ersten 117 Seiten
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bilden den ersten von vier Teilen, aus denen sich die Story zusammen setzt. Diese ersten Seiten sind in sich schon so spannend, dass ich beim Lesen gar nicht gemerkt habe, dass ich schon so weit bin.
Erzählt werden parallel drei Geschichten.
Die erste ist die Geschichte um den bodenständigen Versicherungsvertreter Brenner, der während einer einsamen, nächtlichen Fahrt durch das verschneite Deutschland die Anhalterin Astrid aufgabelt. Durch eine Reihe unvorhersehbarer Umstände bleiben sie ohne Benzin mit dem Wagen stehen und beschließen ihr Glück zu Fuss zu versuchen. So stapfen sie durch den Schnee und erreichen halb erfroren und erschöpft ein verstecktes Kloster. Es ist offensichtlich, dass dessen Bewohner keinen Wert auf Besucher legen. Da sie keine Alternative zum Erfrieren sehen, nähern sie sich dem Gebäude trotzdem und werden von einem jungen Priester empfangen, der sehr geheimnisvoll und ein wenig ängstlich tut, ihnen aber Unterschlupf gewährt und bereit ist, sie ins benachbarte Dorf zu fahren. Doch soweit kommt es nicht, denn bald bricht die Hölle los.
Während dessen blendet Hohlbein immer wieder zu Salid, einem weltweit gesuchten Terroristen, der mit seinen Männern ein amerikanisches Militärgelände irgendwo in Deutschland überfällt. Dabei kommt es zu großen Verlusten und Salid flüchtet mit einem Hubschrauber, der während einer Verfolgungsjagd ebenfalls den Weg zum Kloster einschlägt.
Die dritte Randgeschichte dreht sich um die Besatzung des Helikopters, der Salid verfolgt. Diese Geschichte ist mehr als nebensächlich und Hohlbein hätte sie sich genauso gut sparen können.
Am Ende des ersten Teils treffen die drei Handlungsstränge aufeinander und es kommt zu einem riesigen Showdown.
Bis hierher könnte es sich bei der Geschichte ebensogut um einen äußerst spannenden Thriller handeln. Sie ist sehr spannend und in sich schlüssig. Die Abläufe sind zwar sehr weit hergeholt, aber durchaus noch nachvollziehbar. Es findet sich nichts phantastisches oder unmögliches.
Figuren, die ich für Hauptdarsteller hielt sterben, Helikopter beschießen sich über deutschen Feldern, Priester werden von Militärs erschossen, die Welt, wie wir sie kennen, erblüht in einem Flammenmeer – auf gut deutsch .. .. alles vollkommen normal.

Der Teil ist vorerst in sich abgeschossen und obwohl er für alle Beteiligten in einem Inferno endet, bildet er eigentlich den Beginn der Geschichte, wie ich sie erwartet und erhofft habe und wie sie den Namen Horror verdient. Je näher Brenner und Salid ihren ganz persönlichen Alpträumen kommen, um so mehr entwickelt sich eine Geschichte ganz nach bewährter Hohlbein-Manier.

Der zweite Teil
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hebt die Grenze zwischen „Hell und Dunkel“, „Gut und Böse“ und „Tot und Lebendig“ auf. Was eben noch normal war, ist jetzt unerheblich und was eben noch Phantasie hätte sein sollen, wird Realität.
Wieder gibt es mehrere Handlungsstränge, die parallel erzählt werden, sich aber niemals zeitlich überschneiden, sondern aneinander anschießen, auch wenn die Handlungsorte und Personen wechseln.
Auffällig ist hier, dass Hohlbein es schafft, dass sich nicht nur im Buch die Grenzen verwischen, sondern auch im Gemüt des Lesers. Z.B. ist schon bald nicht mehr sicher, ob Salid ein verachtenswerter Mörder und Terrorist ist, oder ein zu bewundernder Idealist. Jeder Leser mag diese Sympathie an einer anderen Stelle finden, aber ich bin sicher, jeder findet sie. Ist Salid anfangs noch das Symbol des Bösen, wird er bald von etwas unsagbar böseren abgelöst.
Manchmal scheint das Hohlbein selber zu erschrecken, denn hin und wieder erinnert er Brenner, und damit den Leser, nachhaltig an die Vergangenheit und den Charakter des Terroristen.

Das Ende
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naht unaufhaltsam. Ich war erstaunt, als ich beim Lesen bemerkte, dass ich fast am Ende angekommen war. Die Handlung schien mir nicht weit genug fortgeschritten und ich konnte mir kein Ende vorstellen, das nicht unpassend und viel zu hektisch sein musste, wenn es auf die letzten 20 Seiten passen wollte. Aber an dieser Stelle wurde ich mehr als überrascht.
Das Ende ist nicht nur unvorhersehbar und vollkommen überraschend, sondern es ist auch genau das Gegenteil von dem, was ich erwartet habe.
Und das Ende wird nicht jedermanns Gefallen finden. Da bin ich sehr sicher.

Im Vergleich
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zu Stephen King z.B. schneidet Wolfgang Hohlbein sehr gut ab. Er wird nicht umsonst die deutsche Antwort auf den Meister des Horrors genannt.
Während King allerdings meistens seine Hauptarbeit auf die Ausarbeitung der Charaktere richtet, worin er auch zweifellos der Meister ist und bleibt, sammelt Hohlbein seine Energien und zentriert sie auf die Handlung, auf die Idee, die dahinter steht. Man könnte das mit einem guten Horrorfilm vergleichen, der durch seine Bilder und Effekte lebt und sehenswert wird. Seine Darsteller sind zum großen Teil vollkommen austauschbar. Im Nachhinein wird mir klar, dass er dieses Merkmal so überzeichnet, dass man während des Buches nicht einmal den Vornamen Brenners erfährt, wenigstens kann ich mich nicht daran erinnern.
Hohlbeins detaillierte Beschreibungen lassen die Phantasie in seinem Kopf so lebendig werden, dass selbst King und Barker ein Schauer über den Rücken laufen würde. Wenn Hohlbein eine Halle voller Leichen zum Leben erweckt, dann kann der Leser diese zum Teil nicht nur sehen, sondern sogar riechen.
Seine Sätze sind dabei allerdings streckenweise sehr lang und verschachtelt und es bedarf hin und wieder ein bißchen Konzentration, um den Faden nicht zu verlieren.

Unangenehm aufgefallen
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sind mir nur ein paar Kleinigkeiten. Zum einen schreibt Astrid eine Telefonnummer für Brenner auf die Ecke eines Romanheftchens. Brenner findet diese Nummer später wieder, aber sie steht jetzt auf einer Streichholzschachtel. (Diesmal kann ich das auch nicht auf den Übersetzter schieben, hehe).
Außerdem scheint Hohlbein sich Sätze und Satzfragmente zu notieren, die im spontan einfallen und sie später zu verwenden. Es finden sich sehr formschöne, ausgefallene Sätze im Buch, die sich aber später nochmal wiederholen.
Aber das sind nur Kleinigkeiten, die der Spannung und dem Lesespaß keinen Abbruch tun.

Den biblische Aspekt
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möchte ich aus zwei Gründen nur ganz kurz anreißen. Zum ersten bin ich nicht bibelfest und möchte mich nicht auf Diskussionen einlassen, in deren Verlauf ich mangels Wissen die Segel streichen muss und zweitens halte ich es für die Bewertung des Buches auch nicht für unbedingt nötig.
Hohlbein bedient sich für das groben Handlungsgerüst der Bibel, nämlich der Geschichte um die vier apokalyptischen Reiter, die den Untergang der Welt verkünden und den Vorzeichen, die ihr Erscheinen ankündigen.
Einige dieser Verse werden im Buch zitiert und Hohlbein scheint sich grob an die Prophezeiungen zu halten, dass zum Beispiel ein großer Stern, brennend wie eine Fackel vom Himmel fallen wird. Allerdings interpretiert er die Zeilen jeweils ein bißchen um und versetzt sie in die Gegenwart.
Man kann das Buch sicher auch mit dem ständigen Seitenblick auf die Bibel lesen, aber es ist nicht unbedingt nötig und ergibt auch ohne das Wissen darum einen Sinn und vor allem eine spannende Geschichte.

Meine Empfehlung
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heißt darum : lesen !

Das Ende ist nah und Hohlbein bringt es noch ein bißchen näher.

Interessierte, die ein Problem mit Insekten haben, oder ein gestörtes Verhältnis zum Schlaf nach dem Ansehen eines Horrorfilms, sollten allerdings die Finger von dem Buch lassen. Es lebt und manchmal scheint es fast unter den Händen zu kribbeln.